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Aufruf von Patty Basler

Liebe Eltern und Lehrpersonen

Ich schreibe für einmal nicht als Komikerin, sondern als Erziehungswissenschaftlerin und ehemalige Lehrperson:

Die Kinder brauchen von euch jetzt Geborgenheit, Liebe, Zuversicht, Strukturen und Lesen, Schreiben, Rechnen. Alles andere ist Luxus. Klar habt ihr die Absicht oder den Auftrag, euren Kindern im Sommer einen reibungslosen Übertritt zu ermöglichen. Der Tag wird kommen, an dem das wichtig wird. Aber er ist nicht heute.  

 

Ihr wollt, dass sie über Wikinger oder die Weltwirtschaft, über Staatskunde, die Zusammensetzung der Luft, Schwerkraft oder Scherenschnitt-Techniken Bescheid wissen. Der Tag wird kommen, an dem das wichtig wird. Aber er ist nicht heute.

 

Ihr versteht das komplizierte E-Learnig-Tool nicht, ihr schafft es nicht Home-Office und Home-Schooling unter einen Hut zu bringen, das Abfilmen des Instrumentalunterrichts erweis sich als zu kompliziert? Das ist alles nicht so tragisch. Bleibt ruhig. Nehmt's mit Humor. Oder mit einem Gin Tonic. 

 

Eure Kinder, eure Schulklassen werden nicht zu Bildungs-Versagern, weil sie einige Wochen keinen Unterricht hatten. Statt die Nerven zu verlieren, weil das Aufschalten der Prüfung nicht gelingt, kann man das Aufschalten der Prüfung auch mal sein lassen. Der Tag der wichtigen Prüfung wird kommen. Aber er ist nicht heute.

 

Es werden Lösungen gefunden werden, wie man die paar Monate wieder aufholen kann. Ihr könnt mit Nachsicht rechnen, wenn ihr nicht alles geschafft habt. Darum könnt ihr getrost auch nachsichtig sein. Mit Lehrpersonen und Schulleitungen, mit Eltern und Kindern. Und vor allem mit euch selbst. Lernziele und Schulstoff sind im Leben eines Kindes wichtig und der Tag, an dem sie die Kompetenzen beherrschen sollten, wird kommen. Aber er ist nicht heute.

 

Es ist gut, wenn ihr euch und die Kinder sinnvoll beschäftigen könnt in diesen schwierigen Zeiten. Aber das muss nicht eine zielgerichtete und prüfbare Beschäftigung sein. Die Lernziele sind heute nicht wichtig. 

 

Wichtig ist heute die Gesundheit. Die Gesundheit aller. Auch die psychische. Wenn es irgendwie geht, sollte das eigene Zuhause für die Kinder ein Hort der Zuversicht und Gelassenheit sein. Alles wird gut. Auch wenn die Bedingungen anders sind. Zuversicht und Geborgenheit werden auch vermittelt durch Strukturen. 

- Gemeinsam kochen, essen, aufräumen, putzen. 

- Gemeinsam 1h - 3h Home-Office, wenn's geht, mit den Aufgaben der Schule. Wenn's möglich ist, mit Online-Angeboten. Aber eigentlich reicht es schon, wenn die Kinder das Lesen, Schreiben und Rechnen nicht verlernen. Alles andere ist Luxus.

 

Versprecht nicht zu viel, erwartet nicht zu viel. 

Es ist ziemlich scheissegal, wenn mal etwas nicht klappt. 

Begegnet einander mit Gelassenheit. Mit Humor.

Und wenn's geht: mit Liebe.